Wissenschaftliches Essay Muster

Das Essay ist eine verhältnismäßig freie schriftliche Abhandlung einer bestimmten Frage, die literarischer oder wissenschaftlicher Art sein kann. Gefordert ist die kritische und auch subjektive Auseinandersetzung mit dem Thema. Das Thema sollte einen aktuellen Bezug haben, bzw. von aktueller Relevanz sein. Aufgabe eines Essays ist nicht nur den Leser zu einer Fragestellung zu informieren, sondern vielmehr ihn zum Nachdenken anzuregen und ihn anzuleiten auf einen Standpunkt oder Sachverhalt einen anderen Blick zu werfen. Dazu soll das Essay nicht zu lang und von einer gewissen Leichtigkeit getragen sein. Es gibt Essays, die:

  • ein bestimmtes Problem lösen.
  • über einen Sachverhalt urteilen bzw. richten.
  • eine bekannte Meinung zu einem Sachverhalt einer kritischen Prüfung unterziehen.

1. Wichtige Eigenschaften eines Essays

  • In der Regel zwischen 5 bis 8 Seiten lang.
  • Folgt einem klaren roten Faden und hat eine nachvollziehbare, gradlinige Argumentation.
  • Präzise und knapp formuliert.
  • Subjektive Meinung ist  – wie bei einer Stellungnahme – enthalten.
  • Details können enthalten sein, sofern sie der Argumentationslinie zuträglich sind. Wichtiges sollte von Unwichtigem getrennt werden.
  • Fußnoten sind nicht üblich, Quellen müssen nicht im Text benannt werden, am Ende des Essays steht ein Literatur-Verzeichnis. Eure eigenen Gedanken und die von anderen Autoren sollten deutlich als solche zu erkennen sein.
  • Es geht NICHT darum eine Thematik oder Fragestellung zu BESCHREIBEN, sondern zu DISKUTIEREN. Dazu müsst ihr euch vor dem Schreiben schon intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
  • Auch das Essay sollte entlang der klassischen Gliederungsbestandteile verlaufen: Einleitung, Hauptteil, Schluss.

Der Essay: Texte und Materialien für den Unterricht *

2. Das solltet ihr beim Schreiben beachten

Angenommen, ihr habt zu eurem Thema 15 interessante Bücher und Aufsätze gefunden und habt am Ende ca. 7 Erscheinungen in der näheren Auswahl. Es ist zwar etwas Arbeit, aber eine perfekte Vorbereitung für euer Essay, wenn ihr im ersten Schritt Abstracts von den wichtigsten Büchern macht. Auf diese Weise habt ihr einen besseren Überblick über die verschiedenen Standpunkte und Informationen, die euren Standpunkt im Essay beeinflussen und begründen.

Erstellt euch ein Konzept, damit ihr nicht am Ende ganz woanders landet als ihr ursprünglich wolltet. Denkt daran, welche Texte euch zum Lesen animieren und welche euch langweilen. Die Einleitung ist sehr wichtig, denn sie zieht die Leser in den Text oder hält sie davon ab, weiterzulesen.

Lest einige Essays um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie diese Textsorte auf euch wirkt und um euch stilistische Feinheiten abzuschauen. Ein sehr berühmter Essay-Schreiber aus vergangenen Zeiten ist Michel de Montaigne, dessen Texte sehr meinungsstark und unterhaltsam sind. Die Kindle-Version seiner Essay-Edition könnt ihr aktuell kostenlos herunterladen. Enzensberger, Adorno, Walter Benjamin oder Sibylle Berg sind auch sehr geschätzte Essay-Autoren.

3. Grundsätzliche stilistische Tipps

  • Vermeidet Füllwörter!
  • Vermeidet den Nominal-Stil und verwendet stattdessen Verben!
  • Sucht nach präzisen Ausdrücken, statt ausschweifenden Erklärungen.
  • Vermeidet einen zu trocken-wissenschaftlichen-aufgeblähten Stil.
  • Ihr könnt auch rhetorische Fragen nutzen, um den Leser stärker einzubinden.
  • Lasst euer Ergebnis gegenlesen und auf orthographische Fehler und inhaltliche Schwächen prüfen.

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Essays schreiben im Studium

Dein Dozent verlangt von dir das Schreiben eines Essays, aber du hast keine Ahnung, was das ist bzw. worauf es dabei ankommt? In diesem Beitrag erklären wir alles, was du über das Essay wissen musst.

Ein wissenschaftliches Essay unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der klassischen Hausarbeit. Doch zu Beginn erläutern wir erst einmal, was ein Essay überhaupt ist.

Was ist ein Essay?

Das Wort Essay kommt vom französischen essai bzw. vom griechischen exagium, was so viel bedeutet wie Probe oder Versuch. Dabei geht es um die experimentelle Annäherung an einen wissenschaftlichen Gegenstand. Anders als eine Hausarbeit ist diese aber nicht sachlich und auch die wissenschaftliche Methodik ist eher zweitrangig. Der Essay ist eine journalistische Darstellungsform und eher vergleichbar mit einem anspruchsvollen Feuilleton-Artikel. Darum erfordert er auch ein gewisses Maß an sprachlichem Geschick.

Essay: Kritische Beurteilung mit Argumentationsstruktur

Daher ist es durchaus legitim, im Essay mit Humor und einer „leichteren“ Sprache zu arbeiten. In der Regel wird auf direkte Zitate und Fußnoten verzichtet. Thematisch ist bei einem Essay vieles möglich. Er kann euch im Germanistikstudium genauso begegnen wie in den Medienwissenschaften. Da es aber um die inhaltliche argumentative Auseinandersetzung mit einem wissenschaftlichen Gegenstand geht, wird man ihn eher im sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich und weniger in Informatik oder Maschinenbau finden.

Dass der Essay eine eher „freie“ Darstellungsform ist, heißt nicht, dass die zugrundeliegende Literatur unwichtig wäre, ganz im Gegenteil. Ihr sollt hier zwar nicht den aktuellen Forschungsstand analysieren oder das Thema wissenschaftlich aufbereiten, aber ihr sollt euch kritisch mit einer Thematik auseinandersetzen.

Dazu muss die Sekundärliteratur nicht ständig zitiert werden, aber ihr müsst sie sehr gut kennen. Denn ihr sollt das Pro und Contra analysieren und nicht die Meinungen anderer Wissenschaftler nacherzählen, sondern eine kritische Haltung dazu annehmen, wissenschaftliche Positionen abwägen und kritisch beurteilen.

Die genaue Kenntnis der Inhalte ist also zwingend erforderlich. Die eigene Meinung, der eigene Standpunkt soll hier, anders als in der Hausarbeit, explizit im Vordergrund stehen. Darum bietet sich für ein Essay ein aktuell kontrovers diskutiertes Thema sehr gut und besser an als sprichwörtlich kalter Kaffee.



Kurz und pointiert sollte der Essay sein

Wie bereits erwähnt sind die wissenschaftlichen Formalia nicht ganz so wichtig wie bei einer Hausarbeit. Ein paar Standards sind trotzdem zu erfüllen. Der Essay besteht aus einem Deckblatt, dem eigentlichen Text und einem Literaturverzeichnis. Länger als 5 bis 7 Seiten sollte er nicht sein. In der Kürze liegt die Würze. Der Text besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Die Gliederung ergibt sich aus dem Inhalt. Bei der Kürze des Textes sind Zwischenüberschriften nicht notwendig. Absätze strukturieren den Text.

Einleitung: In der kurzen Einleitung erläutert ihr das Thema, die Fragestellung und die Relevanz der Diskussion, die ihr im Folgenden führen wollt.

Hauptteil: Im Hauptteil legt ihr sehr knapp Fakten und Beispiele dar, diskutiert eure Quellen und formuliert eine eigene Meinung. Wichtig ist hier eine strukturierte Argumentation. Der berühmte „Rote Faden“ muss erkennbar sein. Bei aller Freiheit, die der Essay ermöglicht, handelt es sich um eine wissenschaftliche Arbeit, die argumentativ stichfest sein muss und nicht um eine wilde Stammtischdiskussion.

Schluss: Am Schluss fasst ihr kurz und pointiert eure Ergebnisse zusammen und entwickelt daraus eine Schlussfolgerung. Je nach wissenschaftlichem Gegenstand ist ein Ausblick oder eine Wertung des diskutierten Themas möglich.

Fazit: Ein Essay soll also keine Nacherzählung und keine ausschweifende Erklärung eines Forschungsthemas sein, sondern eine kritische Auseinandersetzung, in der Gegenpositionen aufgegriffen und argumentativ widerlegt werden.

Bildquelle: Vielen Dank an sqback für das Bild (© sqback / freeimages.com).

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